Grażyna Bacewicz, die heute als die größte polnische Komponistin und herausragende Persönlichkeit der Musik des 20. Jahrhundert gilt, baute ihre musikalische Position mit großer Entschlossenheit, indem sie ihre Karriere als Geigerin mit der Tätigkeit als Komponistin verbunden hat. Sie wurde sehr schnell zu einer der herausragendsten Vertreterinnen der neoklassizistischen Musikrichtung, um anschließend ihren Stil zu reformieren und ihm einen höchst individuellen Ausdruck zu geben. Im Jahr 1909 geboren, musste sie sich ähnlich wie viele andere Künstler aus Mitteleuropa den politischen Realitäten ihrer Zeiten stellen – sie erlebte unter anderem zwei Weltkriege und stalinistisches Regime mit. Sie studierte am Warschauer Konservatorium bei Kazimierz Sikorski (Komposition), Józef Jarzębski (Violine) und Józef Turczyński (Klavier). Trotz der ablehnenden Haltung des damaligen Musikmilieus gegenüber Komponistinnen wurde sie von dessen Vertretern zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn vor allem als Violinistin betrachtet, mehrmals wurden ihre künstlerischen Ambitionen als Launen interpretiert. Inzwischen, ohne darauf zu achten, komponierte und führte Grażyna Bacewicz allein ihre Werke auf und gewann immer mehr Respekt und Anerkennung.
Das künstlerische und schöpferische Schaffen von Grażyna Bacewicz wurde mit zahlreichen Erfolgen gekrönt. Auf den europäischen Bühnen trat sie mit Recitals und Konzerten unter der Leitung von herausragenden Dirigenten auf. In beiden Bereichen gewann sie Preise und ihre Musik, die von Dirigenten sowie Musikern geschätzt wird, war immer häufiger bei Konzerten und Festivals im In- und Ausland zu hören.
Heute erlebt die Musik von Grażyna Bacewicz ihre Renaissance. In ihren Konzerten, Sonaten, Sinfonien und kleineren Werken finden wir äußerst interessante Klanglösungen. Es erscheinen hervorragende Aufnahmen (unter anderem von BBC Symphony Ochestra) und ihre Werke sind ständig aufgeführt: im Jahr 2024 unter anderem in Wigmore Hall in London, Philharmonie de Paris, SR Berwaldhallen in Stockholm und Bozar in Brüssel.
Werke von Grażyna Bacewicz spiegeln auch die Epoche wider, in der sie lebte und die von einer Abkehr von der überschwänglichen Romantik, der Suche nach Schönheit in der klassischen Form, aber auch der Vermeidung der festen Muster geprägt ist. Eine kraftvolle, disziplinierte, konsequente und zugleich feminin-sensible Musiksprache und reiche kompositorische Vorstellungskraft spiegeln die Persönlichkeit der Künstlerin wider.